Work in progress seit 2001, Expedition zum Wesentlichen
Kreise, frei in Spiralen aus der Mitte gezeichnet. Leere Kugelschreiber, Kugelschreiber, Bleistifte und Buntstifte auf Papier
*1965
Kunststudium und Meisterschüler an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Professor Franz Weißhaar, „Artefakt und Kultraum“
Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München
Archiv Anonymer Zeichner, Berlin
The Sketchbook Project, Brooklyn Art Library, New York
Staatskanzlei Bayern, München
temporär Deutsche Bundesbahn, Bahnhof Pasing
Von der Gegenwart der Ewigkeit
Lineare Zeit wird als gerade und unumkehrbare Linie von der Vergangenheit über die Gegenwart in die Zukunft definiert („Die gerade Linie ist gottlos“ Friedensreich Hundertwasser). In der zyklischen Zeit hingegen wird Werden, Vergehen und Neubeginn als Kreislauf verstanden („In der Kunst gibt es keine Entwicklung, einige der ersten Kunstwerke sind auch einige der Besten“ David Hockney). In der vierdimensionalen Raumzeit existieren Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zugleich („Die Trennung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ist eine hartnäckige Illusion“ Albert Einstein). Auf diese Weise ist alles – und auch wir – miteinander verbunden. Intuition und Reflexion, Zeichnen als künstlerische Praxis zur Visualisierung eines Modells des Universums.
Intuition
Es begann 2001 mit einer wiedergefundenen großen, alten Blechschachtel aus dem Büro meiner Mutter, dort hatte ich als Kind viel Zeit verbracht und mich beschäftigt, gezeichnet, gespielt. Die Box war voll abgelegter Buntstifte, Bleistiftstummel, Kugelschreiber mit altmodischen Werbeaufdrucken, einigen Füllern und eingetrockneten Filzstiften.
Ich hatte Zeit und nahm ein großes Blatt Papier, um die Stifte auf Funktion und Qualität zu prüfen. Dabei entstanden aus einem inneren Rhythmus unterschiedliche Spiralen und verdichteten sich während des Prozesses zu Kreisscheiben, deren unmittelbare visuelle Sinnlichkeit durch den sonoren Klang der Stifte auf Papier verstärkt wurde. Bei manchen Kugelschreibern musste ich viele Runden drehen, bis die Mine wieder ansprang oder eben auch nicht mehr.
Mit der Zeit entwickelte sich ein offener Zyklus von Zeichnungen. Die Arbeiten erinnern an Himmelskörper. Andererseits sind es Variationen, wie Fingerabdrücke von Individuen, die ähnlich und doch einzigartig sind. Mikrokosmos und Makrokosmos. Ich mag den Zusammenhang zwischen dem Ursprung des einfachen Kritzelns, wie es auch Kinder in ihren frühen Zeichenversuchen („Urknäuel“) erleben – und dem großen Ganzen, unserem Universum („Das in Eins Gewendete“).
Reflexion
Raumzeit(k)reise versucht der Ewigkeit in ihrer Zeitlosigkeit und scheinbaren Ziellosigkeit nachzuspüren. Die Arbeit wächst durch jedes neue Blatt und wird doch nie vollendet sein, obwohl sie das zugrundeliegende Prinzip schon immer in sich trägt. Mich fasziniert der alte Traum der Moderne, wie beispielsweise im Suprematismus („weißes Quadrat auf weißem Grund“), durch größtmögliche Abstraktion und Reduktion zum Wesen der Dinge vorzustoßen. Ohne jedoch an einem Nullpunkt zu stranden, sondern auf dieser Welle zu surfen.
Eine Entwicklung (Entstehung und Anzahl an Variationen) ohne Entwicklung (der Kreis, die absolute Form). Ich begegne zu großer Routine durch geringe Produktion, auch arbeite ich beidhändig und wechsle im Prozess zwischen linker und rechter Hand. So bleibt, geplant „von langer Hand“, mehr Spannung in meinem Spiel.
Wonach kann Kunst fragen, welche Antworten kann sie anbieten? Was sind die zentralen Inhalte des Seins, des Daseins? Sinn, Ursprung und Prinzip der Welt, des Weltenraumes, das sind philosophische Fragen der Metaphysik, die primär verbal formuliert und gedacht, durchdacht werden.
In der Kunst spielt die Intuition, das Gefühl, die nonverbale Ebene eine tragende Rolle. Eine Idee wird hier nicht aus der Theorie entwickelt und postuliert, sie wird vielmehr gefühlt, belebt, gelebt. Als ich das Projekt nicht suchte, sondern fand oder es mich fand, da hatte ich erst nur eine Ahnung, einen ästhetischen Zugang. Zu Beginn entstanden Konstellationen unterschiedlicher Kreise auf dem leeren Papier, diese standen in Beziehung zueinander, gleiches Prinzip, ähnlich und doch ganz unterschiedlich. Durch den leeren Raum, den Umraum, öffnete sich die Möglichkeit zur Erweiterung und damit die Perspektive in die Unendlichkeit.